Griffig

a dark tunnel with a small window in it

Mk 2, 23 ff.

Sie hat­ten alle im Griff. Kei­ner, der nicht wuss­te, wie man sich zu ver­hal­ten hat­te. Kla­re Geset­ze, strik­te Ver­bo­te und ein­deu­ti­ge Vor­schrif­ten regel­ten das Leben der Juden. Die theo­lo­gi­sche Instanz hat­te alle im Griff, im eiser­nen Griff. Sie leg­te das Wort Got­tes erbar­mungs­los und unmensch­lich aus. 

Doch dann kam einer und mach­te alles anders. Stell­te den Men­schen in den Mit­tel­punkt. Mach­te ihre Deu­tung zunich­te und bean­spruch­te das Urhe­ber­recht des Wor­tes Got­tes. Sie grif­fen ihn öffent­lich an. Stell­ten ihn zur Rede: War­um? War­um hal­ten sich dei­ne Jün­ger nicht an die hei­li­ge Sab­bat-Ruhe? Weil sie hung­rig sind! Jesus ver­tei­digt das ele­men­ta­re Bedürf­nis sei­ner Freun­de. Doch die Pha­ri­sä­er begrif­fen nicht. Hun­ger ist kein Grund, dass man sich am Hei­li­gen ver­griff! Selbst David tat aber genau das! Die ultra-hei­li­gen Bro­te aus der Stifts­hüt­te füll­ten die lee­ren Mägen sei­ner Gefolg­schaft. Dass Jesus aus­ge­rech­net die­se alte Geschich­te auf­griff, war nun ein direk­ter Angriff auf die Pha­ri­sä­er, denn damals hat­te der Hohe­pries­ter selbst die Erlaub­nis erteilt. Er war nicht so begriffs­stut­zig, für ihn zähl­te kör­per­li­che Not mehr als ritu­el­le Ein­hal­tung von Gebo­ten. Genau in die­ser Tra­di­ti­on bringt Jesus es auf die grif­fi­ge For­mel: Der Men­schen­sohn ist Herr über den Sab­bat. Will sagen, Jesus bestimmt, was geht! Und er hat immer den Men­schen im Blick. Der Sab­bat ist um des Men­schen wil­len geschaf­fen und nicht der Mensch um des Sab­bats willen. 

Die Pha­ri­sä­er hiel­ten das für den schwers­ten Fehl­griff aller Zei­ten und besie­gel­ten sein Todes­ur­teil. Nun führ­te aber genau das zum größ­ten Ein­griff Got­tes in die Mensch­heits­ge­schich­te. Er erweck­te Jesus von den Toten, und zwar nicht an einem Sab­bat. Am ers­ten Tag der jüdi­schen Woche, unse­rem Sonn­tag, ist Jesus auf­er­stan­den, ist der Stein ins Rol­len gekom­men, sind die Jün­ger nach Emma­us und wie­der zurück­ge­lau­fen, ist alles in Bewe­gung gera­ten. Eine hei­li­ge Sonn­tags-Unru­he! Um der Men­schen wil­len! Das soll­te auch uns kei­ne Ruhe las­sen: Neh­men wir in Angriff, was uns im Griff hat.