Das Kammergebet

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Mt 6, 5–18

Üblich war das nicht! Das Gebet war eine her­vor­ra­gen­de Übung, um sei­ne Fröm­mig­keit so rich­tig zur Schau zu stel­len: Die vor­ge­schrie­be­nen Gebets­zei­ten ver­la­ger­te man gern in die Öffent­lich­keit, und je blu­mi­ger die Wor­te waren, umso bes­ser! Jesus lehrt es anders: Wenn du betest, dann geh in dei­ne Kam­mer. Mach die Tür zu und sprich mit Gott im Ver­bor­ge­nen, unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit. Das Gebet ist nicht Mit­tel zum Zweck, son­dern soll in enger Ver­traut­heit mit Gott Aus­druck dei­ner Bezie­hung zu ihm sein. 

Ein Mus­ter für ein Gebet kann das Vater Unser sein. Jesus gab es sei­nen Jün­gern als Bei­spiel für ein prä­zi­ses und all­um­fas­sen­des Gebet, bevor er ihnen durch den hei­li­gen Geist nach Pfings­ten die Mög­lich­keit gab, ganz und gar frei als ein ein­zi­ges „wan­deln­des Gebet“ zu leben. Pau­lus drückt die­ses Gebets-Leben im Brief an die Ephe­ser so aus: Betet zu jeder Zeit in der Kraft des hei­li­gen Geis­tes (Eph 6,18). Kei­nes­falls sol­len wir jeden­falls die bekann­ten Wor­te des Vater Unsers im sonn­täg­li­chen Takt der mehr oder weni­ger müden Chris­ten­heit gedan­ken­los her­un­ter­lei­ern. Möge der hei­li­ge Geist in uns rebel­lie­ren, wenn wir das, was Jesus für das stil­le Käm­mer­lein gedacht hat­te, zur mecha­ni­schen Pflicht­übung im öffent­li­chen Got­tes­dienst ver­kom­men las­sen. Und möge uns der hei­li­ge Geist erken­nen las­sen, wel­ches unfass­ba­re Vor­recht wir als Kin­der Got­tes haben, unse­ren Herrn Jesus jeder­zeit und über­all mit all unse­ren – auch stüm­per­haf­ten oder nur gedach­ten – Wor­ten anzu­spre­chen. Er hört uns gewiss und weiß, was wir brauchen!